Donnerstag, 29. September 2011

Antworten.

Tief atmet er ein und aus, schluckt die Tränen herunter, die sich hartnäckig ihren Weg nach oben kämpfen wollen. Eigentlich ist da nur eine Frage, die im Raum steht, alles einnehmend, was ihr entgegen blickt: "Wie weiter leben?" So viele Antworten, sie alle drängen sich an den Rand seines Bewusstseins, schreien nach ihm, wollen, dass er sie auserwählt, die seine zu sein. Doch er steht da, steht und staunt und zögert. Weiß nicht, welche er wählen soll und bleibt schließlich stehen in all dem Trubel dieser Welt. Er bleibt stehen und stellt fest, dass all diese Antworten, diese Möglichkeiten, Hoffnungen, Sehnsüchte, Träume, die er einmal hatte, die er dachte, immer noch zu träumen. All diese Antworten, sie treffen nicht mehr auf ihn zu.
Auf diese Frage gibt es keine Antwort mehr für ihn. Nicht einmal 'um zu sterben' wäre mehr eine Option. Sie wird weggelächelt, wegkomplimentiert, genauso wie die anderen.

In Wahrheit gibt es keinen Grund. In Wahrheit ist alles nur noch scheiße.

Mittwoch, 28. September 2011

Ab.


Er lächelte.
Dann schlug er den Kopf gegen die Wand. Einmal, zweimal, dreimal. Eine groteske Szene, die erschien, als hätte sich jemand den Spaß erlaubt, auf 'Repeat' zu drücken.
Es endet damit, dass der Junge ohnmächtig zusammen sinkt.
Das Staunen ist groß.

Auf.

Ich will dieses Gesicht im Spiegel nicht mehr sehen.
Ich werde es zerfetzen und niemand wird mich davon abhalten.


Montag, 26. September 2011

Störfaktor.

Ich schreie, schlage gegen diese Wand, die mich gefangen hält und begehre auf.
Am Ende ist doch alles vergeben...


Fröstelnd rieb er die Hände aneinander und hauchte die behandschuhten Finger auf, um wenigstens etwas Wärme versprüren zu können. Es war der erste, richtige Wintertag in diesem Jahr. Die Kaltfront hatte volle Kanne zugeschlagen und der dünne Herbstmantel, den Alex trug, reichte schon lange nicht mehr aus, um ihn zu wärmen. Er wartete. Wartete mit ein paar anderen Menschen auf die Straßenbahn, die ihn nun nach getaner Arbeit endlich wieder in sein Wahl Zuhause bringen würde. Naja, eigentlich war es vielmehr notwendig, dass er dort unterkam, nachdem er so 'ruhmreich' bei seinen Eltern rausgeflogen war. Manchmal vermisste er seinen kleinen Bruder etwas. Diesen quirligen, kleinen Jungen, der um seine Beine turnte und ihn lachend zum Spielen aufforderte. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er in die Straßenbahn einstieg. Da waren Kommentare, Getuschel, Blicke, die ihm folgten, als er zu seinem Stammplatz nach hinten schritt.
"Emo!"
"Heute schon geritzt?"
"Scheiß Schwuchtel!"
"Wie kann man nur so rumlaufen!"
Alex ignorierte es, ließ sich auf den Platz ganz hinten fallen und zog die Beine an seinen Körper, stemmte sie gegen den Vordersitz. Sein Blick glitt aus dem Fenster, in die Fensterscheibe, betrachtete sich mit scharfen Augen, während er blind seinen Mp3-Player aus der Tasche zog und in eine Welt voller Musik eintauchte. Seine Wangen wirkten schon wieder rundlicher, dabei hatte er eigentlich abgenommen. Seine Nase war ungerade, seine Augen schief, das eine Lid hing leicht, die Augenbrauen mussten auch dringend mal wieder gezupft werden. Und war das ein Ansatz in seinen blauen Haaren? Scheiße. Ganz zu schweigen davon, dass man leichte Abdrücke seiner Brüste unter dem Mantel sah. Leicht nur, aber für ihn schon wieder viel, viel zu viel. Angeekelt verzog er den Mund und schürte den Selbsthass weiter in sich. Ein neuer Abbinder musste her, dringend. Er musste diese Dinger wegkriegen, bald, jetzt, sofort, hätte sie sich am liebsten einfach abgeschnitten, nur, um endlich das zu sein, was er sich wünschte, was er war. Dabei hatte er doch schon so viel abgenommen! Warum waren sie noch immer da? Warum konnten sie nicht einfach weggehen?!
Die Welt um ihn wurde düster. Dicke Regentropfen fielen schwer gegen die Fensterscheibe, während die Straßenbahn ihn zurückfuhr, zurück in die Klinik, in der er sich geborgener fühlte, als er es im elterlichen Nest jemals könnte.

Samstag, 17. September 2011

Körperfrage.



"Bin weder Mann, noch bin ich Frau,
bin irgendwo zwischendrin,
Weiß nicht wohin ich gehöre,
Weiß nicht was ich bin..."

Donnerstag, 15. September 2011

Zwischenraum.

 
Die Nacht umschmeichelt deine Haut, sanft wie Seide, kalt wie Eis. Leise flüstert der Schlaf die frivole Worte in dein Ohr, will dich locken, will dich hinein ziehen und seine Chimäre einer Welt.
Doch du wehrst dich, noch ist's nicht so weit. Noch hast du noch Zeit und sacht, so naiv, so unbedarft, schlägst du deine Augen auf und erblickest das Wahre, die Schatten, die um dich tanzen, beseelt von einem fremdartigem Reigen.

Und deine Lippen öffnen sich und spielen leise ihr Lied, lassen sie sich weiter drehen, um die Achse, immer rund, rund, im Kreis herum. 
Taumel, Veitstanz, Lichterwirrwarr.
Sie beobachten dich in ihrem Tanz, sie tanzen für dich, für deinen letzten Atem. Langsam ziehen sie ihn aus dir heraus und der Schlaf schaut die Szenerie mit traurigem Blick. Es ist nicht seine Zeit, es ist die deine nun zu gehen.

Sacht schließt du die Augen und die wunderlichen Töne entführen dich hinfort, in ein Land, jenseits Wirklichkeit und Traum.