Montag, 10. Oktober 2011
Donnerstag, 29. September 2011
Antworten.
Tief atmet er ein und aus, schluckt die Tränen herunter, die sich hartnäckig ihren Weg nach oben kämpfen wollen. Eigentlich ist da nur eine Frage, die im Raum steht, alles einnehmend, was ihr entgegen blickt: "Wie weiter leben?" So viele Antworten, sie alle drängen sich an den Rand seines Bewusstseins, schreien nach ihm, wollen, dass er sie auserwählt, die seine zu sein. Doch er steht da, steht und staunt und zögert. Weiß nicht, welche er wählen soll und bleibt schließlich stehen in all dem Trubel dieser Welt. Er bleibt stehen und stellt fest, dass all diese Antworten, diese Möglichkeiten, Hoffnungen, Sehnsüchte, Träume, die er einmal hatte, die er dachte, immer noch zu träumen. All diese Antworten, sie treffen nicht mehr auf ihn zu.
Auf diese Frage gibt es keine Antwort mehr für ihn. Nicht einmal 'um zu sterben' wäre mehr eine Option. Sie wird weggelächelt, wegkomplimentiert, genauso wie die anderen.
In Wahrheit gibt es keinen Grund. In Wahrheit ist alles nur noch scheiße.
Mittwoch, 28. September 2011
Ab.
Er lächelte.
Dann schlug er den Kopf gegen die Wand. Einmal, zweimal, dreimal. Eine groteske Szene, die erschien, als hätte sich jemand den Spaß erlaubt, auf 'Repeat' zu drücken.
Es endet damit, dass der Junge ohnmächtig zusammen sinkt.
Das Staunen ist groß.
Auf.
Ich will dieses Gesicht im Spiegel nicht mehr sehen.
Ich werde es zerfetzen und niemand wird mich davon abhalten.
Montag, 26. September 2011
Störfaktor.
Ich schreie, schlage gegen diese Wand, die mich gefangen hält und begehre auf.
Am Ende ist doch alles vergeben...
Fröstelnd rieb er die Hände aneinander und hauchte die behandschuhten Finger auf, um wenigstens etwas Wärme versprüren zu können. Es war der erste, richtige Wintertag in diesem Jahr. Die Kaltfront hatte volle Kanne zugeschlagen und der dünne Herbstmantel, den Alex trug, reichte schon lange nicht mehr aus, um ihn zu wärmen. Er wartete. Wartete mit ein paar anderen Menschen auf die Straßenbahn, die ihn nun nach getaner Arbeit endlich wieder in sein Wahl Zuhause bringen würde. Naja, eigentlich war es vielmehr notwendig, dass er dort unterkam, nachdem er so 'ruhmreich' bei seinen Eltern rausgeflogen war. Manchmal vermisste er seinen kleinen Bruder etwas. Diesen quirligen, kleinen Jungen, der um seine Beine turnte und ihn lachend zum Spielen aufforderte. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er in die Straßenbahn einstieg. Da waren Kommentare, Getuschel, Blicke, die ihm folgten, als er zu seinem Stammplatz nach hinten schritt.
"Emo!"
"Heute schon geritzt?"
"Scheiß Schwuchtel!"
"Wie kann man nur so rumlaufen!"
Alex ignorierte es, ließ sich auf den Platz ganz hinten fallen und zog die Beine an seinen Körper, stemmte sie gegen den Vordersitz. Sein Blick glitt aus dem Fenster, in die Fensterscheibe, betrachtete sich mit scharfen Augen, während er blind seinen Mp3-Player aus der Tasche zog und in eine Welt voller Musik eintauchte. Seine Wangen wirkten schon wieder rundlicher, dabei hatte er eigentlich abgenommen. Seine Nase war ungerade, seine Augen schief, das eine Lid hing leicht, die Augenbrauen mussten auch dringend mal wieder gezupft werden. Und war das ein Ansatz in seinen blauen Haaren? Scheiße. Ganz zu schweigen davon, dass man leichte Abdrücke seiner Brüste unter dem Mantel sah. Leicht nur, aber für ihn schon wieder viel, viel zu viel. Angeekelt verzog er den Mund und schürte den Selbsthass weiter in sich. Ein neuer Abbinder musste her, dringend. Er musste diese Dinger wegkriegen, bald, jetzt, sofort, hätte sie sich am liebsten einfach abgeschnitten, nur, um endlich das zu sein, was er sich wünschte, was er war. Dabei hatte er doch schon so viel abgenommen! Warum waren sie noch immer da? Warum konnten sie nicht einfach weggehen?!
Die Welt um ihn wurde düster. Dicke Regentropfen fielen schwer gegen die Fensterscheibe, während die Straßenbahn ihn zurückfuhr, zurück in die Klinik, in der er sich geborgener fühlte, als er es im elterlichen Nest jemals könnte.
Samstag, 17. September 2011
Körperfrage.
"Bin weder Mann, noch bin ich Frau,
bin irgendwo zwischendrin,
Weiß nicht wohin ich gehöre,
Weiß nicht was ich bin..."
Donnerstag, 15. September 2011
Zwischenraum.
Die Nacht umschmeichelt deine Haut, sanft wie Seide, kalt wie Eis. Leise flüstert der Schlaf die frivole Worte in dein Ohr, will dich locken, will dich hinein ziehen und seine Chimäre einer Welt.
Doch du wehrst dich, noch ist's nicht so weit. Noch hast du noch Zeit und sacht, so naiv, so unbedarft, schlägst du deine Augen auf und erblickest das Wahre, die Schatten, die um dich tanzen, beseelt von einem fremdartigem Reigen.
Und deine Lippen öffnen sich und spielen leise ihr Lied, lassen sie sich weiter drehen, um die Achse, immer rund, rund, im Kreis herum.
Taumel, Veitstanz, Lichterwirrwarr.
Sie beobachten dich in ihrem Tanz, sie tanzen für dich, für deinen letzten Atem. Langsam ziehen sie ihn aus dir heraus und der Schlaf schaut die Szenerie mit traurigem Blick. Es ist nicht seine Zeit, es ist die deine nun zu gehen.
Sacht schließt du die Augen und die wunderlichen Töne entführen dich hinfort, in ein Land, jenseits Wirklichkeit und Traum.
Dienstag, 13. September 2011
Schalensprung.
Ich möchte etwas verändern, etwas beeinflußen, etwas in seiner Existenz vernichten.
Es gibt so viele Dinge, die ich nicht verdiene und dennoch besitze. Es gibt so viele Dinge, die mir angetan werden sollten und nicht passieren.
Ich bin einsam. Das ist die schlimmste Strafe von allen und zugleich das gerechte Maß.
Donnerstag, 1. September 2011
Nähe.
Seufzend kramst du deine Sachen aus der Tasche. Deinen Block, dein Mäppchen, das schwere Buch. Alles landet unbeachtet auf dem Tisch und dann sind da plötzlich die Stimmen. Du zuckst zusammen, erstarrst. Eine Tasche landet auf dem Tisch, neben dir. Vielleicht einen halben Meter entfernt. Du weichst zurück, die Panik steigt auf.
Der Junge neben dir spricht mit seinem Freund, sie beachten dich nicht und trotzdem presst du dich näher an die Wand neben dir, hast deinen Blick starr auf die Tafel gerichtet, die Arme auf den Tisch gedrückt. Die Tischkante drückt sich schmerzhaft in die Wunden. Die Kruste bricht auf, du spürst es. Dein Arm wird feucht, die Luftzufuhr schnürt sich ab und in dir ist nur noch der Gedanke:
Flucht.
Mittwoch, 31. August 2011
Momente.
http://schattensicht.tumblr.com/
Samstag, 27. August 2011
Non-Fiktion.
Stühle werden gerückt, ein Kreis gebildet, eine Form, an der man sich angeblich besser orientieren kann.
Der Therapeut:
"Willkommen in unserer heutigen Therapiesitzung. Begrüßt mit mir Annika in unserer Therapiegruppe!"
Alle:
"Hallo Annika!"
Der Therapeut:
"So, ich hätte für heute etwas zum Thema Selbstwahrnehmung vorbereitet. Es sei denn jemand von ihnen hat ein Anliegen?... Ja, Susan?"
Susan:
"Er hat mich am Wochenende verlassen. Einfach so. Ich fühle mich schlecht deswegen. Ich habe doch gar nichts getan. Ich meine, keine Scheiße gebaut oder so. Und dann macht er einfach Schluss."
Der Therapeut:
"Wieso geben sie sich daran die Schuld, Susan?"
Susan:
"Naja, niemand ist perfekt, oder? Und schließlich muss ich den Fehler gemacht haben, wenn er mich verletzt. Vielleicht bin ich ihm nicht dünn genug? Ich bin ein dickes, fettes, häßliches Walross!"
Susan bricht schluchzend zusammen.
Der Therapeut:
"Susan, beruhigen sie sich. Das ganze ist kein Weltuntergang. Sie sind noch jung und haben das Leben noch vor sich. Vielleicht war er einfach der Meinung, dass es mit ihnen nicht mehr so klappt, wie vorher? Dass es für ihn nicht die große, einzige Liebe war? Dazu brauchen sie nichts falsches gemacht haben und Enttäuschungen gibt es im Leben viele."
...
Der Therapeut:
"Was ist mit ihnen, Annika? Sie schauen so, als wollten sie uns etwas sagen?"
Annika:
"Ich hab grüne Socken gefunden."
Der Therapeut:
"Die, die sie schon seit Wochen suchen?"
Annika:
"Boah, ey, welche denn sonst?!"
Der Therapeut:
"Schön, dass ihre Suche nun ein Ende hat."
Annika:
"Halt's Maul!"
Schweigen.
Der Therapeut:
"Und was ist mit dem Rest von ihnen? Wie war ihre Woche?"
Felix:
"Warum sehen sie mich da so an? Ich bin hier nicht der einzige, der sein Maul hält!"
Der Therapeut:
"Das ist kein Grund so ausfallen zu werden. Ich fragte mich nur eben, ob sie Fortschritte machen. Wie sieht es aus mit dem Ritzen?"
Felix:
"Sie checken gar nichts, oder?! Ich ritze mich nicht! Kapieren sie's nicht?! Ich schneide mich! Warum geht das nicht in ihren studierten Schädel rein?! Machen sie mich absichtlich so runter, oder was?! Als ob's so tragisch wäre mal ein Wort ohne negativen Nachklang zu benutzen!
Und außerdem, das Schneiden ist wohl das, was mich am wenigsten belastet! Warum fragen sie nicht mal nach den Halluzinationen?! Warum fragen sie nicht danach, welche Hölle wir Tag um Tag durchmachen?!"
Er will es sagen, doch alles, was er schließlich sagt ist:
"Gut."
Der Therapeut:
"Oh, ich sehe gerade die Stunde ist vorüber. Ich hoffe, es hat ihnen nichts ausgemacht, dass sie heute nur zugehört haben, Annika?"
Annika:
"Nein, nein, mir ist es lieber so."
Ich verlasse den Kreis mit einem mulmigen Gefühl in der Bauchgegend.
Müde.
Ich bin müde, einfach nur noch müde. Und trotzdem werde ich nicht schlafen können - die Schatten sind wieder da. Ihre Tentakel streifen mich hin und wieder, doch ansonsten sind sie viel zu ruhig. Das kommt noch. Sicher kommt das noch.
Ich friere. Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich zwischen den Welten gefangen. Zwischem dem Hier und dem Dort. Das Monster ist wieder in mir, präsent, lauert, wartet auf irgendwas und die Stimmen zischen mir murmelnde Worte ins Ohr.
Ich bin müde.
Müde von diesem Leben.
Narbenkleid.
Die letzten, frischen Wunden an meinem Körper sind verschlossen. Der Schmerz ist versiegt und es fühlt sich falsch an. Mir fehlt dieses Kreischen, dieses Aufschreien des Körpers bei jeder Bewegung. Die Maske mit dem festgefrorenem Lächeln bröckelt mir langsam vom Gesicht. Der Nebel um meine Sicht verschwindet, lässt nur eine kalte Klarheit zurück. Ein starrer Schrecken befällt mich. Es ist falsch. Gesund ist falsch. Es ist die Gewissheit, die sich in mir ausbreitet, sich festsetzt und mit der Stimme des Monsters schreit:
"Narbengesicht!
Siehst du denn die Kinder nicht?
Sie starren dich an, sie zeigen auf dich!
Sie lachen dich aus, denn was sie schauen bin ich!
Sie stoßen dich ab, du verschwindest im Nichts!
Narbengesicht!
Narbengesicht!
Schneid dir die Haut vom Leib, brech dir die Knochen entzwei!
Hunger dich zu Tode, denn nur so bist du frei!"
Ein immerwährender Singsang, der sich wiederholt, wiederholt, wiederholt. Dir gegen die Schädeldecke drückt und dich denken lässt, dass sie gleich bricht. Du zitterst, lenkst dich ab, doch dein mein Kopf dreht sich immer wieder zur Seite, fixiert den Ort, an dem die Freiheit wartet. Die Freiheit ist klein, nur ein kleines Beutelchen. Doch ihr Inhalt! Welche Schönheit, welch Pracht! Öffnest du ihn, fällt dir ein kleiner, gar wundersamer Gegenstand entgegen. Eine Klinge, klein und silbern. Sie schneidet dir die Haut vom Leib, legt die Knochen frei, damit du sie dir brechen kannst, sie lässt dich den Hunger vergessen, der in dir tobt, sie lässt die Stimmen verschwinden. Sie ist Frieden. Du musst nur aufstehen und sie dir holen.
Deine falsche Freiheit.
Stuhlkreis.
"Ey, du weißt schon, dass ich jetzt auch andere Freunde habe, oder?"
Und nach dem Spruch kommst du jetzt wieder angekrochen. Nach so langer Zeit. Tust einen auf 'gute Freunde'. Am liebsten würde ich dir ins Gesicht schlagen, du Schlampe.
Du sagst, du findest, ich sehe besser aus, als letztes Jahr, als überhaupt. Ich sehe es in deinem Gesicht, weiß genau, dass du dich nur wieder an mich hängst, weil ich anders bin, weil ich mich traue, anders zu sein. Du machst mir Komplimente, tust so, als würdest du dich für mich interessieren.
Doch deine Chance hast du verspielt.
Mit mir brauchst du deine Eltern nie wieder schocken.
Erst, wenn du alleine stehst, kannst du erkennen, wer du wirklich bist.
Goldfischglas.
Vorsichtig, langsam, atme ich aus, halte für einen Moment die Luft an und atme wieder ein. Langsam. Alles ist langsam. Die Welt um mich erstarrt.
Ich blicke umher, blicke durch die Anderen hindurch.
Ich sitze hier in meinem Goldfischglas, in dem die Luft immer dünner wird und niemand bemerkt es. Geräusche gelangen gedämpft an mein Ohr. Eine Stimme erhebt sich aus dem Tuscheln, sie klingt hektisch, dringt näher heran, doch Worte verstehe ich nicht.
Das Bild kippt, neigt sich zur Seite, doch ich bewege mich nicht.
Dann der Aufprall. Hart. Mein Kopf schlägt gegen den Boden und der Schmerz zieht mich mit unglaublicher Geschwindigkeit zurück in die Realität. Schritte nähern sich schnell, die Stimmen sind jetzt näher; Worte formen sich.
Ich erkenne die Personen um mich herum, die fremden Gesichter, meinen Lehrer. Besorgt, schockiert, irritiert. In ihre Mimik mischt sich einiges und mich kostet es unglaublich viel Kraft, den Mund zu öffnen, die Stimme aus meinem Hals zu quetschen und ihnen zu versichern, alles sei okay. Es dauert, dauert lange, dann kehrt wieder Normalität ein und alles ist, wie kurz zuvor.
Nach ein paar Minuten bildet sich das Goldfischglas wieder, hauchzart, um mich herum.
"Lampen sind nicht wirklich "Lichtquellen". Sie sind eher Dunkelheits Absorbierer. Wenn du sie anmachst, saugen sie die Dunkelheit aus dem Raum. Du kannst das selbst nachweisen, wenn du deine Hand unter eine "Lichtquelle" hältst. Unterhalb deiner Hand wird die Dunkelheit stecken bleiben, weil ihr Weg zu Absorbierer durch die Hand blockiert ist. Wenn eine Lampe kaputt ist und dunkel ist, ist sie nicht durchgebrannt, sondern einfach voll."
Quelle: ibash.de
Quelle: ibash.de
Regenbogen.
Weißer Schleier lässt mich taumeln, reißt beständig an der schwindend Haut. Ich renne. Renne. Renne. Immer schneller. Zeit ist ein leeres Wort an diesem Ort. Konturenlos fliegt die Welt an mir vorbei. Dort ist kein Boden, kein Halten, kein Sein.
Ich verliere mich und finde mich doch wieder.
In all den Schmerzen, all der Pein.
Erinnerungen stürzen wie Wasserfälle auf mich ein und lassen mich nicht atmen.
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