Die letzten, frischen Wunden an meinem Körper sind verschlossen. Der Schmerz ist versiegt und es fühlt sich falsch an. Mir fehlt dieses Kreischen, dieses Aufschreien des Körpers bei jeder Bewegung. Die Maske mit dem festgefrorenem Lächeln bröckelt mir langsam vom Gesicht. Der Nebel um meine Sicht verschwindet, lässt nur eine kalte Klarheit zurück. Ein starrer Schrecken befällt mich. Es ist falsch. Gesund ist falsch. Es ist die Gewissheit, die sich in mir ausbreitet, sich festsetzt und mit der Stimme des Monsters schreit:
"Narbengesicht!
Siehst du denn die Kinder nicht?
Sie starren dich an, sie zeigen auf dich!
Sie lachen dich aus, denn was sie schauen bin ich!
Sie stoßen dich ab, du verschwindest im Nichts!
Narbengesicht!
Narbengesicht!
Schneid dir die Haut vom Leib, brech dir die Knochen entzwei!
Hunger dich zu Tode, denn nur so bist du frei!"
Ein immerwährender Singsang, der sich wiederholt, wiederholt, wiederholt. Dir gegen die Schädeldecke drückt und dich denken lässt, dass sie gleich bricht. Du zitterst, lenkst dich ab, doch dein mein Kopf dreht sich immer wieder zur Seite, fixiert den Ort, an dem die Freiheit wartet. Die Freiheit ist klein, nur ein kleines Beutelchen. Doch ihr Inhalt! Welche Schönheit, welch Pracht! Öffnest du ihn, fällt dir ein kleiner, gar wundersamer Gegenstand entgegen. Eine Klinge, klein und silbern. Sie schneidet dir die Haut vom Leib, legt die Knochen frei, damit du sie dir brechen kannst, sie lässt dich den Hunger vergessen, der in dir tobt, sie lässt die Stimmen verschwinden. Sie ist Frieden. Du musst nur aufstehen und sie dir holen.
Deine falsche Freiheit.
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